Pflanzenöle - Basiswissen

Pflanzenöle, Teil 2 (oder: Kaltgepresst vs. raffiniert)

Um die Qualität eines Öls zu beurteilen, kann man sich an die Kennzeichnungen der Hersteller orientieren. Das Wort „kaltgepresst“ habt Ihr in diesem Zusammenhang doch bestimmt schon mal gehört oder gelesen, oder?
„Kaltgepresst“ – das suggeriert ja erstmal irgendwie etwas Gutes, so wie „naturbelassen“ und „schonend“. Aber: kaltgepresst ist nicht gleich kalt gepresst.

Was ist „kaltgepresst“?

„Kaltgepresst“ bedeutet erstmal nur, dass das Öl mechanisch gepresst und anschließend nicht raffiniert wurde. Dabei wird zwar keine Wärme von außen zugeführt, aber beim Pressen entsteht Druck und damit auch Wärme (bis weit über 100 °C – von „kalt“ kann hier nicht die Rede sein). Grundsätzlich sind solche (kurzzeitigen) Temperaturen unproblematisch für die ungesättigten Fettsäuren im Öl, die sich erst ab ca. 150 °C in schädliche Trans-Fettsäuren umwandeln. Fettbegleitstoffe, wie Vitamine können jedoch zerstört werden. Wer also ganz sicher sein möchte, ein möglichst „wertvolles“ Öl zu bekommen, sollte auf den Zusatz „nativ“ achten. Hier werden i. d. R. Temperaturen von 60 °C nicht überschritten und anschließend nur gefiltert. Die Ausbeute bei der Gewinnung ist geringer, weshalb solche Öle teurer (aber eben auch wertvoller) sind.

Native Öle enthalten noch alle Vitamine, Lecithine, Carotinoide, Phytosterole, sekundären Pflanzenstoffe, Enzyme etc. und sind deshalb gesund für uns – innerlich wie äußerlich.

Tatsächlich gibt es in Deutschland keine gesetzlichen Regelungen für die Kennzeichnung von Ölen, aber empfohlene Leitsätze, an die sich seriöse Hersteller auch halten. Dabei ist „bio“ übrigens nicht zwingend gleich kaltgepresst, achtet daher immer auf die genaue Bezeichnung. Ich schau immer auf die Qualität der Öle, die ich für die Ernährung und die Hautpflege verwende. Geiz ist überhaupt nicht „geil“, sondern schadet langfristig meiner Gesundheit und auch der Umwelt. Schonender Anbau, sorgsame Ernte und faire Entlohnung sind genau so wichtig, wie die Inhaltsstoffe im Endprodukt. Meiner Meinung nach.

Kaltgepresst

Ganz schön raffiniert…?

Oder auch nicht. Die meisten Öle, die wir im Supermarkt und Discounter kaufen können und vor allem solche, die in verarbeiteten Lebensmitteln vorkommen sind entweder vorbehandelt, sehr heiß gepresst und/oder chemisch extrahiert worden. Das Lösungsmittel sowie die dabei entstandenen Schad- und Geschmacksstoffe müssen nachträglich entfernt werden – das nennt man Raffination.

Für die Industrie hat das viele Vorteile, denn solche Öle sind lange haltbar, geruchs- und geschmacksneutral und damit universell einsetzbar – und nicht zuletzt super günstig in der Herstellung (und Geld regiert ja die Welt oder so…). Dass diese Öle weder Charakter noch einen ernährungsphysiologischen Mehrwert haben liegt auf der Hand…

In der Kosmetik werden raffinierte Öle aus ähnlichen Gründen verwendet: Kosten, technologische Umsetzung, Verbrauchererwartungen. Ich find’s schade um die schönen Inhaltsstoffe und kaufe solche Öle daher nicht (mehr). Native Öle bester Qualität sind nun mal teurer. Vor allem, wenn ich sie in kleinen Mengen kaufe. Aber wenn ich mir schon die Zeit nehme, mich ausgiebig mit der Herstellung meiner eigenen Kosmetik zu befassen, dann zahle ich wirklich gerne ein paar Euro mehr.

Alles Wissenswerte über die Gewinnung und die Qualität von Pflanzenölen erkläre ich in meinem Webinar „Pflanzenöle – Basiswissen“.

Raffiniert vs. kaltgepresst – eine Übersicht

Im Schaubild könnt Ihr die verschiedenen Gewinnungsverfahren und ihre Unterschiede nochmal ganz vereinfacht auf einen Blick sehen.

In einem ersten Blogbeitrag hatte ich schon etwas zur Biochemie von Pflanzenölen geschrieben.

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