LASOYI

Sheabutter von LASOYI (Interview)

Unbeauftragte Werbung. Über Instagram habe ich Anfang des Jahres die Marke LASOYI entdeckt und war gleich total neugierig auf die unraffinierte, traditionell hergestellte Sheabutter aus Ghana. Ich wollte unbedingt mehr über das Produkt, aber vor allem auch über die Idee und die Menschen dahinter erfahren. Also habe ich mir einen großen Tiegel bestellt und kurzerhand mal Mirjam und Eninam interviewt. In Köln haben wir uns auch persönlich getroffen und stundenlang über den Wert sozialer und fairer Handelsbedingungen, die Herausforderungen in der Selbständigkeit, das Leben in anderen Ländern sowie Privates ausgetauscht.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen des Interviews mit LASOYI!

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© LASOYI

Interview mit LASOYI

1. Wer seid Ihr? Stellt Euch doch bitte mal kurz vor.

Hallo Tobias, Hallo an alle Leser*innen! Wir sind Eninam & Mirjam und die Gründer von LASOYI.
LASOYI ist die Abkürzung für „Lagt Sommar Yir“ in der Sprache Nabt und bedeutet „House of quality goods“. Also auf Deutsch etwa „Haus der Qualitätsgüter“.
Den Namen hat uns Pablo, ein sehr guter Freund aus dem Dorf unserer Produktionsstätte, gegeben.
Vorab, wir werden im Laufe des Interviews von „unserer Produktionsstätte“ sprechen. Wir meinen damit nicht „unsere“ als Begriff von Eigentum, sondern als die liebevolle und stolze Bezeichnung einer wundervollen Freundschaft mit der tollen, unabhängigen und selbständigen Frauenkooperative, mit der wir seit dem ersten Tag zusammenarbeiten.

2. Warum habt Ihr LASOYI gegründet? Was möchtet Ihr bewegen oder erreichen?

Die erste Idee zu LASOYI entstand vor vier Jahren, als wir Suzi im nördlichsten Teil Ghanas kennenlernen. Suzi war Mirjams Nachbarin. Sie wollte eine Sheabutter Produktionsstätte bauen, um finanziell unabhängiger zu werden und ihren Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen. Wir fanden die Idee und die Motivation unglaublich beeindruckend und haben den Bau Vorort unterstützt.
Am Anfang war da einfach nur ein Feld. In kürzester Zeit entstand eine Produktionsstätte, welche anschließend von den Behörden begutachtet und zertifiziert wurde. Es war toll, ein Teil von dem Ganzen zu sein. Diese Arbeit wollten wir weiter ausbauen und so entstand die Idee, LASOYI zu gründen.
Wir haben beide das Privileg, Ghana und Deutschland zu vernetzen und daraus etwas nachhaltig Wundervolles entstehen zu lassen! Wir können LASOYI selbst gestalten und arbeiten daher mit bestem Wissen und Gewissen super transparent und mit stetigem Blick auf Umwelt und Menschen.
Zusammen mit unserer tollen Community die sich mittlerweile gebildet hat, macht das wirklich Spaß. Da hat LASOYI tolle Möglichkeiten sich als Marke, zu etablieren und DIE Ansprechpartner für faire, nachhaltige Produkte aus Westafrika mit genau den Werten zu werden, die wir vertreten.
Mittlerweile bekommen wir immer häufiger Bilder von Kund*innen, wie unsere Shea Einzug auf dem Wickeltisch oder beim Baden genommen hat, Nachrichten von entstandenen Familienritualen, bei welchen sich abends die Füße mit unserer Shea einmassiert wird. Oder, dass eines der Kinder unserer Produzentinnen jetzt eingeschult werden konnte und weitere Projekte geplant werden. Wenn wir solche Nachrichten bekommen, hüpfen unsere Herzen schon ein wenig. Das ist unglaublich motivierend!

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Suzi (© Silja Mall)

3. Worin besteht Eure Arbeit?

Wir machen im Moment von A bis Z alles selbst. Wenn wir in Ghana sind, produzieren auch wir fleißig mit, wir verpacken, übernehmen den Import und die Verzollung, den Transport, Etikettierung, den Onlineauftritt, Videos, die Entwicklung unseres Produktes und Etiketten, unsere Website (die hoffentlich bald fertiggestellt ist), Flyer, Verpackung & Versand und natürlich alles hinter den Kulissen.

4. Was habt Ihr bisher erreicht? Worauf seid Ihr stolz?

Neben dem Aufbau der Produktionsstätte und der personellen Organisation in Ghana sind wir auf den Produktionsablauf wirklich besonders stolz! Wir haben es mit viel Kreativität und Geduld geschafft, hier einen Standard zu integrieren, der allen Anforderungen gerecht wird. Das ist so eine fantastische Zusammenarbeit, auf die wir alle wirklich stolz sind.
Der zweite Punkt, auf welchen wir stolz sind, ist unsere funktionierende Transportkette von unserem Dorf ohne Straßen aus Ghana, bis nach Deutschland. Wir arbeiten mit Sammeltransporten, ohne Umwege und erledigen die komplette Importabwicklung selbst.
Zurzeit liegt unser Fokus auf dem Ausbau unserer Marke. Wir möchten bekannter werden. Dazu gehört auch die Weiterentwicklung unserer Onlinepräsenz. Ein ständiger Begleiter sind die logistischen Anforderungen, um eine kontinuierliche Verfügbarkeit unserer Sheabutter zu garantieren.

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Suzi (© Silja Mall)

5. Was ist als nächstes geplant?

Unglaublich viel! *lach* Wo sollen wir anfangen…. Also, zunächst werden wir in diesem Jahr auf vielen Messen und Märkten sein.
Zu den größeren Themen gehört unsere nächste Reise nach Togo und Ghana und die Entwicklung eines weiteren wunderbaren Produktes, für welche die Produzentinnen gerade in der Herstellung geschult werden. Das ist aber noch ein Geheimnis.

6. An wen verkauft Ihr?

Wir verkaufen zur Zeit an Privatpersonen, Kosmetikmanufakturen und sind im Sortiment einiger Unverpacktläden. Wir verkaufen zudem über Amazon und Etsy. Den Versand übernehmen wir hier immer selbst, denn dann haben wir Einfluss auf die Umverpackung und können auf Plastik verzichten. Wir sind außerdem oft auf Märkten und Messen. Das ist dann immer ein Highlight. Da startet der Tag immer früh morgens mit guter Musik und Tee denn immer öfter kommen Besucher extra wegen uns. Da sind gute Unterhaltungen garantiert!

7. Warum trägt Eure Sheabutter kein Bio-Siegel o. ä.? Wie wichtig sind faire Handelsbedingungen?

Zunächst ist wichtig zu wissen und zu verstehen, dass der Sheabaum ein Wildgewächs ist und gar nicht kultiviert werden kann. Es kommt also viel mehr auf die Art der Gewinnung der Sheabutter an. Bei dieser verwenden wir nach alter Tradition, bis auf zwei Mühlen, ausschließlich Wasser, Muskelkraft und Hitze.
Unsere Produktionsstätte besitzt kein Land, auf welchem die Bäume wachsen. Wenn wir die Produktionsstätte in Ghana aber Bio zertifizieren lassen möchten, müssten die Sheanüsse aus einer einzigen Quelle stammen. Das bedeutet, dass wir uns an ein einziges Unternehmen wenden müssten, um die Zertifizierung zu erhalten.
Wir kaufen aber stattdessen lieber lokal bei den vielen verschiedenen kleinen Sheanuss-Sammlerinnen auf den Märkten in der Umgebung unseres Dorfes ein. So sparen wir Transportwege und wir wissen, dass auch diese Arbeiterinnen einen fairen Lohn für ihre Nüsse erhalten. Auf diese Weise können noch mehr Menschen aus der Umgebung von unserer Arbeit profitieren.
Unsere Produktionsstätte ist zudem erst 4 Jahre alt und uns gibt es als LASOYI erst seit ein paar Monaten. Wir benötigen zunächst weitere Kunden und Kapital, um die Maßnahmen umsetzen zu können welche es unserer Meinung nach benötigt, um eine Zertifizierung durchzuführen die für alle Beteiligte einen Vorteil mit sich zieht.
Faire Handelsbedingungen und eine nachhaltige Produktion sind unserer Meinung nach, der einzige Weg für eine Zukunft und absolut Überlebensnotwendig. Eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe ermöglicht den Weg aus der Armut und in die Unabhängigkeit. unserem Fall sind Familien davon abhängig. Kinder können zur Schule und in Universtäten gehen. Faire Handelsbedingungen sollten unserer Meinung nach verpflichtend sein, ich zahle ja auch meine fairen 30 Cent beim Veedelsbäcker für ein Brötchen und zwinge ihn nicht, mir das Brötchen für 5 Cent zu verkaufen.

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© Silja Mall

8. (Warum) Sind kleine Kooperativen „besser“ als große Händler?

Große Firmen lassen die Sheabutter hauptsächlich maschinell herstellen. Das spart Zeit, kosten und Arbeitsplätze. Aber genau diese Arbeitsplätze werden besonders im Norden Ghanas dringend benötigt.
So ist es häufig so, dass Produzent*innen nur dann als bezahlte Arbeitskräfte angefordert werden, wenn die Auftragslage es zulässt. Dadurch werden oft über Monate keine Entlohnungen gezahlt, was für die Familien ein großes Problem darstellt, da sie dann ihren Verpflichtungen, z. B. Schulgeld, etc., nicht nachkommen können.
Eine unabhängige Kooperative hat da viel mehr Möglichkeiten, sich verschiedene Kunden auszusuchen und auch die Preise zu verhandeln. Eine Produktion, welche ausschließlich für das eigene Unternehmen produziert hat langfristig keine positive Auswirkung, wenn keine 100% ige Auslastung der Produktionsstätte und eine Vollzeitbeschäftigung der Mitarbeiter*innen garantiert werden kann.
Die kleinen Kooperativen die wir kennen haben da viel mehr Spielraum. Sie verwalten sich meist sehr demokratisch selbst, versuchen so viele Mitglieder wie möglich aufzunehmen und sind auf ihre Arbeit, Umgebung und den gemeinsamen Erfolg bedacht. So kann man sich sicher sein, dass das Geld auch wirklich im vollen Umfang direkt bei den Produzent*innen ankommt.

© Silja Mall

9. Was findet Ihr toll an (Eurer) Sheabutter?

Wir lieben, dass sie genauso natürlich ist, als würde man sie in Ghana auf dem Markt kaufen. Sie repräsentiert die Qualität und exzellente Arbeit vor Ort wirklich wunderbar. Der Geruch, die weiche Konsistenz und dass sie so vielseitig einsetzbar ist.
Wann immer wir eine Dose öffnen und daran riechen, denken wir an unsere Produktionsstätte, wie die Shea-Früchte von den Frauen gesammelt werden, wie die Nüsse zu Sheabutter verarbeitet werden, das Wetter, die Bäume, die Produzentinnen, ihre Kinder, und welche Veränderung diese Sheabutter mit sich zieht. Wie in einem Werbefilm. *lach*

10. Wofür verwendet Ihr sie? Habt Ihr noch einen Tipp oder ein Rezept (mit Eurer Sheabutter)?

Wir benutzen sie nach dem Duschen auf der noch feuchten Haut bzw. den noch feuchten Haaren pur, von Kopf bis Fuß. Sie ist einfach klasse für sehr empfindliche Haut. Und… Miris Must Have für die Pflege von Allergie geplagten Schnupfennasen.
Eines unserer Lieblingsrezepte ist eine super einfache Bodybutter. Dazu mischen wir einen Teil Sheabutter, einen Teil Kokosnussöl und einen Teil Baobaböl. Wenn alle Zutaten bei Zimmertemperatur gelagert werden, müssen diese auch nicht extra eingeschmolzen werden. Einfach alles mit dem Handmixer durchrühren, fertig. Natürlich können stattdessen auch 2 Teile Sheabutter verwendet werden und das Baobaböl z. B. gegen Olivenöl oder Mandelöl ausgetauscht werden. Da kann man wirklich kreativ sein. Als Faustformel empfehlen wir ganz einfach 2/3 feste Fette und 1/3 flüssiges Öl.

Danke für die ausführlichen Antworten, Mirjam & Eninam!

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