Gesichtsöl selber machen

Ein Gesichtsöl selber zu machen ist gar nicht schwer. Man braucht nur ganz wenig Zubehör, ein paar ausgewählte Zutaten und ein bisschen Wissen über die Pflanzenöle.

Erstmal die Theorie…

Ihr könnt ein einfaches Gesichtsöl selber machen, indem Ihr Euch an folgende Grundrezeptur haltet:

50 % Basisöl nach Wahl
30 % Jojobaöl
20 % Wirkstofföl

Was bedeutet das im Klartext?

Die Prozentzahl gibt Euch Auskunft darüber, in welchem Mengenverhältnis sich die Öle in der Mischung befinden. Sie ermöglicht Euch auch, jede beliebige Menge herzustellen, denn Ihr müsst nur entsprechend umrechnen. Ein Beispiel: Ihr wollt 20 g Gesichtsöl herstellen. Dann rechnet Ihr einfach 20 g x 50 / 100 = 10 g. Also braucht Ihr für 20 g Gesichtsöl 10 g Basisöl.

Für den Anfang empfehle ich Euch, nur 10 g der Ölmischung herzustellen und sie auszuprobieren. Später könnt Ihr ja auch auf Vorrat gleich 50 g anmischen und diese in kleine Fläschchen portionieren, die Ihr im Kühlschrank lagert, so lange Ihr sie nicht verwendet.

Meine persönlich Einschätzung zur Haltbarkeit liegt bei knapp 3 Monaten (im Badezimmer). Im Zweifelsfall immer mal dran riechen – der Geruch ein ranzigen, also verdorbenen Öls würde Euch sofort in der Nase stechen. Da gibt’s keinen Irrtum.

Und was sind jetzt „Basis-“ und „Wirkstofföle“?

Ich habe diese Einteilung von Heike Käser übernommen, die Pflanzenöle nach ihren Fettsäureprofilen unterteilt.

Basisöle sind solche, die überwiegend gesättigte oder einfach ungesättigte Fettsäuren enthalten und dadurch relativ unempfindlich und lange haltbar sind (z. B. Oliven- oder Mandelöl). Sie machen den größten Teil der Ölmischung aus und prägen maßgeblich ihren Charakter. Manche von ihnen (Traubenkern- oder Distelöl z. B.) enthalten überwiegend Linolsäure, eine mehrfach ungesättigte Fettsäure. Sie sind aber aufgrund natürlicherweise enthaltener Tocopherole (Vitamin E) relativ stabil.

Jojobaöl wirkt zusätzlich stabilisierend, also „haltbarmachend“ auf die Ölmischung. Es ist für jeden Hauttypen sehr gut verträglich und wirkt leicht schützend, ohne die Haut abzudichten. Zusätzliches Vitamin E gebe ich nicht zu, auch wenn dies vielerorts so zu lesen ist (s. Erläuterung unten). Nichts desto Trotz empfiehlt es sich unbedingt, das die Ölmischung nur nachts zu verwenden.

Wirkstofföle enthalten seltenere und empfindlichere (mehrfach ungesättigte) Fettsäuren, wie die alpha- oder die gamma-Linolensäure. Dazu gehören beispielsweise Wildrosen-, Nachtkerzen- und Hanf-, aber auch Granatapfelkern- oder Sanddornfruchtfleischöl. Sie sind konzentrierte Wirkstoffpakete und können daher (und auch weil sie leicht verderblich und relativ kostbar sind) sparsam eingesetzt werden. Mit 10-20 % in der Ölmischung erzielt man schon eine sehr gute Wirkung!

Gesichtsöl selber machen

Gesichtsöl selber machen – Rezeptvorschläge

Je nach Hauttyp empfehlen sich unterschiedliche Öle. Um herauszufinden, welche Öle der eigenen Haut am zuträglichsten sind, hilft nur lesen und am Ende natürlich ausprobieren!

Fürs Erste bekommt Ihr von mir eine Orientierung anhand bewährter Mischungen. Selbstverständlich könnt Ihr auch beliebig austauschen und die Öle so kombinieren, wie es Euch gefällt bzw. die nehmen, die Ihr zur Hand habt.

Hauttyp/-zustand Basisöl Wirkstofföl
normal Mandelöl Hanföl
trocken Macadamianussöl Weizenkeimöl
„reif“ Arganöl Granatapfelkernöl
fettig/unrein Traubenkernöl Wildrosenöl
sensibel Mohnöl Nachtkerzenöl

Fangt am besten mit Ölen an, die Euch vertraut sind und die Ihr leicht bekommt. Auch der Preis kann eine Rolle spielen. Ich empfehle wirklich, nur 2-3 (sehr) hochwertige Öle zu kaufen statt 10 billige. Am Ende spart Ihr doch nix und ärgert Euch womöglich über eine minderwertige Qualität…

Ich probiere jedes Öl auch immer pur auf Körper und Gesicht aus und versuche, ein Gefühl dafür zu bekommen. Zu manchen ist eine regelrechte Liebe entstanden, andere mag ich auf der Haut einfach überhaupt nicht!
Das ist natürlich total individuell, je nach Vorlieben und (aktuellem) Hautbedürfnis. Und falls Euch ein Öl doch nicht gefallen sollte, könnt Ihr es immer noch für den Körper, ein Bad oder im Essen verwenden -oder verschenken.

Und nun wird’s praktisch…

Anhand des Grundrezepts und der Tabelle könnt Ihr Euch jetzt folgendermaßen ein Gesichtsöl selber machen:

  1. Stellt eine elektronische Feinwaage, eine geeignete und saubere (Pipetten-) Flasche und die benötigten Öle bereit. Ihr könnt zum besseren Abwiegen auch noch Bechergläser oder Schalen und einen kleinen Trichter verwenden.
  2. Notiert Euch das Rezept mit den entsprechenden Mengenangaben.
    Nochmal zur Erinnerung: 50 % Basisöl, 30 % Jojobaöl, 20 % Wirkstofföl.
    Bei 20 g Öl sind das 10 g Basisöl, 6 g Jojobaöl und 4 g Wirkstofföl.
  3. Wägt die Öle nacheinander direkt in die Flasche oder ins Becherglas (und dann schrittweise in die Flasche).
  4. Verschließt die Flasche gut und schüttelt einmal durch.
  5. Am besten beschriftet Ihr die Flasche noch, damit Ihr wisst, was drin ist und wann Ihr das Öl hergestellt habt.

Gesichtsöl selber machen

Erläuterung zum Vitamin E

Abschließend noch etwas zur Vitamin-E-Frage.

Ich bin mittlerweile sehr vorsichtig geworden, was die künstliche Zugabe von Vitamin E (Tocopherol) in selbstgemachten Ölmischungen betrifft. Ich stabilisiere meine Mischungen lieber mit Jojobaöl bzw. wähle Öle mit einem von Natur aus höheren Vitamin-E-Gehalt. Den hat die Pflanze ihrer Saat sozusagen als Schutz mitgegeben, damit diese nicht so schnell verdirbt. Unsere Zellen kann Vitamin E ebenfalls vor sog. „freien“ Radikalen schützen. In Ölmischungen dient es als Antioxidants, indem es Sauerstoffmoleküle an sich bindet. Diese würden nämlich sonst zu einer Veränderung der Fettmoleküle führen: Peroxide, Aldehyde und Ketone entstehen – kurzum: das Öl wird ranzig.

Kosmetikhersteller geben ihren Ölmischungen gerne Vitamin E bei, um die Haltbarkeit zu verlängern. Grundsätzlich eine super Sache, so lange die Öle wirklich richtig frisch sind. Und hier kommt der Haken: wenn wir als Endvebraucher*innen die Öle von Dritthändlern beziehen und/oder unsachgemäß oder zu lange lagern, wissen wir nicht, ob sich da nicht schon erste Peroxide & Co. gebildet haben. Die können wir weder sehen noch riechen, aber sie sorgen für ein interessantes Phänomen: ab einer gewissen „Schwellenmenge“ an Peroxiden wird das Vitamin E vom Antioxidants zum „Pro-Oxidants“, d. h. das Ranzigwerden wird noch beschleunigt…

Heike Käser hat mich damals drauf gebracht. Und Elham von Skin Chakra hat es auch noch einmal zusammengefasst, das wollte ich Euch nicht vorenthalten.

Ich sehe die pauschale Empfehlung, Öle (oder Ölmischungen) mit Vitamin E haltbarer zu machen daher eher kritisch. Ich will sagen: es lohnt sich immer, ein bisschen zu recherchieren und sich eine differenzierte Meinung zu bilden.

Es gibt übrigens unterschiedliche Vitamin-E-Formen, die mehr oder weniger stark auf der Haut und/oder im Produkt wirken. Grundsätzlich ein toller Stoff, der natürlicherweise in sehr vielen Pflanzenölen vorkommt!

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