Johanniskraut – Sonne für die Seele

Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist in vielerlei Hinsicht eine richtige Sonnenpflanze. Schon ihr Äußeres mit den vielen kleinen, leuchtend gelben Blüten erinnert daran. Die Hauptblütezeit ist Mitte/Ende Juni um die Sommersonnenwende herum, den längsten Tagen des Jahres. Man kann sich also gut vorstellen, wie die Pflanze die ganze Kraft der Sonne in sich aufnimmt. Johanniskraut wird traditionell am 24. Juni gesammelt, dem Johannistag, denn da soll der Wirkstoffgehalt laut Überlieferung am höchsten sein. So genau muss man es beim Sammeln nicht nehmen, Hauptsache die Blüten sind noch ganz frisch und man erntet bei Sonnenschein, wenn es trocken ist.

Was kann man damit machen?

Wir können uns das vom Johanniskraut eingefangene Licht auf verschiedene Arten nutzbar machen: äußerlich als wohltuendes Öl, innerlich als Tee, Tinktur oder arzneiliches Präparat für eine „hellere“ Stimmung und um die Lichtdurchlässigkeit der Haut etwas zu erhöhen.

Rotöl herstellen

Aus den Blüten kann man ganz einfach selber ein Ölmazerat (Pflanzenkaltauszug) herstellen, auch „Rotöl“ genannt, weil es sich während der Herstellung langsam rot färbt. Dazu gibt man die Blüten in ein großes sauberes Glas und begießt sie mit einem stabilen Öl, wie z. B. Oliven-, Sesam- oder Mandelöl bis alles gut bedeckt ist. Das Glas sollte nicht fest verschlossen werden, da sich durch eventuelle Restfeuchte aus den Pflanzen schnell Schimmel bilden kann. Besser ist es, einfach etwas Küchenpapier mit einem Gummiband über das Glas zu spannen, um zu verhindern, dass Schmutz und kleine Tiere ins Öl fallen.
Nun lässt man das Pflanzen-Öl-Gemisch für 4-6 Wochen stehen, am besten hell, aber nicht sonnig. Man hört und liest es zwar meistens, dass man das Öl in die Sonne stellen soll, aber mir ist diese Vorgehensweise nicht ganz geheuer, da UV-Licht und Wärme die Oxidation (= Ranzigwerden) von Pflanzenölen begünstigen. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, das Öl mehrmals täglich zu schwenken, damit nach und nach alle Wirkstoffe aus der Pflanze gelöst werden.


Die rote Farbe bekommt das Öl übrigens von dem in den Blüten und Blättern enthaltenen Hypericin, das in kleinen Drüsen in den Blüten und Blättern sitzt, welche als dunkle Punkte zu sehen sind. Beim Pflücken der Pflanze färben sich die Fingerspitzen meist dunkelrot (früher sprach man hier vom „Blut des Heiligen Johannes“). Wenn man die Blätter gegen das Licht hält, kann man die Punkte gut sehen und so auch überprüfen, ob es sich wirklich um das Echte Johanniskraut und nicht um eine Art handelt…

Anwendungsmöglichkeiten

Johanniskrautöl ist vielseitig einsetzbar und soll u. a. bei
• leichten Sonnenbränden,
• Schürfwunden,
• kleinen Schnitten,
• Muskelkater (hier am besten in Verbindung mit ätherischen Ölen),
• Nervenschmerzen sowie
• Prellungen und Verstauchungen helfen.
Bei den zuletzt genannten Anwendungsgebieten ähnelt es dem bekannten Arnika (Arnica montana). Wer Johanniskrautöl nicht selber machen kann oder will, bekommt es auch fertig im Laden oder online.

Natürliches Antidepressivum

Regelmäßig als Tee innerlich eingenommen soll Johanniskraut gegen leichte bis mittelschwere depressive Verstimmungen wirken, die Studienlage ist hier jedoch noch etwas dünn. Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen, ist die antidepressive Wirkung auf den Inhaltsstoff Hyperforin zurückzuführen, der ähnlich wie viele Antidepressiva die Wiederaufnahme der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin im Gehirn hemmt. Das führt dazu, dass sie länger im synaptischen Spalt wirksam sind und so die Stimmung und den Antrieb steigern. Am wahrscheinlichsten ist ein spürbarer Effekt bei hochdosierten Johanniskrautpräparaten aus der Apotheke. Diese müssen jedoch über einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten eingenommen werden. Hierbei ist unbedingt zu beachten, dass es zu nicht ungefährlichen Wechselwirkungen mit anderen Antidepressiva kommen kann und die Wirkung der Pille abgeschwächt wird. Daher bitte immer ärztlich abklären und nicht auf eigene Faust einnehmen!
Johanniskraut erhöht auch die Lichtempfindlichkeit der Haut, was im Winter durchaus erwünscht ist, im Sommer jedoch bei hellhäutigen Menschen schneller zu Sonnenbrand führen kann. Das sollte man bei der innerlichen Einnahme unbedingt im Hinterkopf behalten. Äußerlich angewendet sind keine Nebenwirkungen bekannt.

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