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Das VIVANESS 2021 eSPECIAL – Teil 1/2: Themen und Trends

Die BIOFACH / VIVANESS ist das Event in der Bio-Lebensmittel- und Naturkosmetik-Branche. Hier treffen sich jedes Jahr im Februar Hersteller, Erzeuger, Händler, Fachbesucher*innen und Presse, um gemeinsam über aktuelle Themen, Entwicklungen und Herausforderungen zu sprechen, Neuheiten zu präsentieren und Kontakte zu knüpfen. 2020 war ich zum ersten Mal selber dort gewesen. In diesem Jahr ist durch die Pandemie bedingt alles anders und die Messe konnte nicht wie gewohnt in Nürnberg stattfinden. Die Organisator*innen haben sich also etwas überlegt und das BIOFACH / VIVANESS 2021 eSPECIAL ins Leben gerufen, das allen Teilnehmenden ermöglichen sollte, dennoch für ein paar Tage zusammen zu kommen – 2021 eben rein virtuell.

Das BIOFACH / VIVANESS 2021 eSPECIAL vom 17. bis zum 19. Februar war meine erste digitale Messe und ich habe die drei Tage einmal für Euch zusammengefasst. Mein Fokus liegt dabei, wie auch schon im letzten Jahr, auf der VIVANESS, der Internationalen Fachmesse für Naturkosmetik. Bevor ich Euch aber mehr über die Inhalte und die Marken auf der VIVANESS 2021 erzähle, möchte ich noch kurz beschreiben, wie das Ganze überhaupt ablief – so rein virtuell und digital.

Die VIVANESS 2021 als digitale Messe – wie funktioniert das eigentlich?

Das BIOFACH / VIVANESS 2021 eSPECIAL fand auf der Plattform talque statt, die sowohl über den Webbrowser als auch über die zugehörige App nutzbar war. Ich fand das praktisch, denn so konnte ich parallel zum Messegeschehen auf den in der App hinterlegten Terminplaner oder die Chatfunktion zugreifen, ohne ständig zwischen den Seiten hin und her wechseln zu müssen. Insgesamt war ich mit der technischen Umsetzung zufrieden und ehrlich gesagt habe ich auch gar keine Vorstellung davon, wie einfach oder schwierig es ist, so eine große Messe online zu managen. Zur Veranschaulichung: auf der Messe waren 1.442 Aussteller und ca. 13.800 registrierte Teilnehmende aus 136 Ländern in 775 Live-Sessions, 10.000 Video-Meetings und 400.000 Chatnachrichten. Also ziemlich gigantisch.

Auf der Online-Plattform hatten alle Teilnehmenden ein eigenes Profil, das sie mit Bild, Kontaktdaten, Wünschen/Gesuchen und persönlichem Text versehen konnten. Das hat die gezielte Kontaktaufnahme erheblich vereinfacht und vielleicht wird diese Komponente ja für zukünftige Messen beibehalten…?

In den Profilen der Aussteller waren neben Firmenbeschreibung und Kontaktdaten auch die zugehörigen Marken und Produkte mit bebilderten Steckbriefen, Katalogen und teilweise kleinen Videos aufgeführt. Manche Aussteller haben zusätzlich kleine Online-Events, wie Live-Produktpräsentationen oder Talkrunden organisiert, an denen sich die Teilnehmenden interaktiv beteiligen konnten. Das Ausstellerprofil war quasi der „Messestand“, an dem man sich zunächst umschauen und Informationen sammeln und auf Wunsch auch direkt (über Chat oder Videocall) mit den Unternehmen in Kontakt treten konnte. Anzufassen und auszuprobieren gab es so rein virtuell natürlich nichts, was gerade bei einer Messe zu Lebensmitteln und Kosmetik etwas frustrierend war. Die Produkte, die mich besonders interessierten, habe ich mir daher nachträglich zusenden lassen, um mir einen besseren Eindruck verschaffen zu können. Dazu später mehr.

Herzstück der Messe waren die ingesamt 70 Vorträge zu Bio-Lebensmitteln und Naturkosmetik, die in 6 Foren und oft parallel gehalten wurden. Weil das Schlendern über die Messe entfiel, hatte ich in diesem Jahr deutlich mehr Zeit, mir die Vorträge anzuschauen. Sie sind übrigens auch aufgezeichnet worden und noch für ein halbes Jahr als Video-on-demand abrufbar, sodass ich mir die Vorträge, die ich verpasst habe, jetzt im Nachhinein noch anschauen kann (auch das gerne für zukünftige Messen beibehalten). Die Termine der Vorträge konnte ich mir vorab schon in den Kalender auf talque eintragen und mir so mein persönliches Messe-Programm zusammenstellen. Zwischen den Vorträgen hatte ich bspw. Gespräche mit Ausstellern und anderen Teilnehmenden – oder einfach mal Pause. Ich war in diesem Jahr auf jeden Fall nicht so reizüberflutet wie nach meinem letzten Messebesuch.

Auf dem Schreibtisch steht ein Laptop, auf dem Bildschirm ist in großen Buchstaben VIVANESS eSPECIAL zu lesen. Davor steht eine weiße Tasse und ich schreibe VIVANESS 2021 Themen und Trends auf einen Zettel.
Logo: BIOFACH

Themen und Trends auf der VIVANESS 2021

In den Vorträgen auf der VIVANESS wurden die aktuellen Themen, Trends und Marktentwicklungen besprochen. Besonders gut gefallen hat mir das „Beauty Briefing 2021“ von Julia Keith (Beautyjagd). Der Vortrag von Carola Schweig zu nachhaltigen Verpackungslösungen und der „Naturkosmetik Branchenmonitor 2020“ von Mirja Eckert waren ebenfalls sehr interessant und aufschlussreich für mich! Eine spannende Diskussion zu „Retailing im next Normal“ mit Expert*innen und Größen aus der Branche führte Naturkosmetikfachfrau Elfriede Dambacher. Außerdem wurde sich mit dem Einfluss der Generationenvielfalt auf den Naturkosmetikmarkt auseinandergesetzt und mit der Frage, ob Nachhaltigkeit noch ein Nischenphänomen oder schon längst Mainstream (oder vielleicht sogar beides?) ist.

Vorträge über Naturkosmetik

Die interessantesten Infos aus den Vorträgen habe ich für Euch zusammengefasst:

  • Der Marktanteil von Naturkosmetik lag letztes Jahr bei fast 11 % (Tendenz steigend).
  • Die anhaltende Pandemie hat das Konsumverhalten z. T. stark verändert:
    • Kosmetik wird vermehrt online und in Verbrauchermärkten eingekauft, die Aufenthalte in Geschäften sind seltener und kürzer, der Fachhandel ist teilweise von den Lockdown-Schließungen betroffen.
    • Die Verkaufszahlen von dekorativer Kosmetik sind gesunken und es gibt in dieser Krise nicht den bekannten „Lip Stick-Effekt“.
    • Seifen, Desinfektionsmittel und Handpflege sind gefragt wie nie.
  • Social Media spielt für Marketing und Verkauf eine immer größere Rolle, neue Formate sind entstanden.
  • Marken werden zunehmend mit dem Phänomen der „Skinfluencer“ konfrontiert und sind dazu angehalten, transparenter und wissenschaftlicher zu kommunizieren.
  • Diversity rückt in den Fokus, „Anti-Aging“ ist nicht mehr so angesagt.
  • Die verschiedenen Altersgruppen haben unterschiedliche Erwartungen an Naturkosmetik und sind mehr oder weniger offen für Neues.
  • Nachhaltigkeitsstragien in Unternehmen sind wichtig, auch wirtschaftlich gesehen; Nachhaltigkeit muss konkret greifbar, beweisbar und messbar sein, um dem Verdacht des „Greenwashings“ zu entgehen.

Nachhaltigkeit ist (für mich) ohnehin eins der Kernelemente der Naturkosmetik und spiegelt sich auch in den aktuellen Trends wider.

Aktuelle Trends in der Naturkosmetik

Auf der letzten VIVANESS lagen v. a. feste Shampoos, moderner Sonnenschutz, Zahnpflege und Hanf deutlich im Trend. Manches davon ist immer noch aktuell, anderes war in diesem Jahr nicht mehr so präsent. Die Pandemie hat natürlich auch einen Einfluss auf die Markentwicklung gehabt. Bahnbrechende Innovationen habe ich zwar keine entdeckt, aber bestehende Konzepte wurden weiterentwickelt oder neu gedacht und insbesondere der Trend zu fester und wasserfreier (und damit verpackungsarmer) Kosmetik geht ungebrochen weiter. Welche derzeitigen „Trends“ von offizieller Seite auf der VIVANESS 2021 identifiziert und benannt worden sind, möchte ich Euch natürlich nicht vorenthalten:

Me-time & Comfort

Hier geht es um Wohlfühlkosmetik und Wellness 2.0. Wir verbringen alle viel mehr Zeit zu Hause und haben schon seit einer Weile nicht mehr die Möglichkeit, uns in der Sauna oder bei einer Kosmetikbehandlung zu entspannen. Also holen wir uns ein bisschen Spa-Gefühl nach Hause, z. B. mit Gesichtsmasken (die pflegenden, nicht den Mundschutz!), duftenden Raumsprays oder Badezusätzen. Ich gebe zu, dass ich selber auch häufiger bade und meine tägliche Hautpflegeroutine ausgebaut habe, seit ich mehr zu Hause bin – alles im Sinne der Selbstfürsorge und um mich trotz Einschränkungen etwas bei Laune zu halten.

Waterless beauty/Solid cosmetics

Wasserfreie, feste und unverpackte Kosmetik ist ganz klar ein Trend, der anhält und auch von immer mehr großen Marken aufgegriffen wird. Mittlerweile gibt es quasi alles in „fest“, sogar Sonnenschutz und Make-Up-Entferner. Plastikfreie und wiederverwendbare Hygieneartikel, wie Abschminkpads sind ebenfalls längst fester Bestandteil nachhaltiger Badezimmer.

Safe beauty & Health-booster

Produkte rund um Gesundheit und Infektionsschutz boomen, klar – und wir wissen auch alle, warum. Der Verkauf von Seifen hat letztes Jahr um ganze 55 % (!) zugenommen. Auch Nahrungsergänzungsmittel von Kosmetikfirmen sind weiter im Kommen (Stichwort: „mehr Schönheit von innen“).

Circular beauty/Economy

Naturkosmetik wird im Gesamtkontext einer nachhaltigen, also umwelt- und ressourcenschonenden Lebensweise betrachtet. Es geht um mehr als „grüne“ Inhaltsstoffe und Verpackungen. Verbraucher*innen erwarten von den Unternehmen zunehmend ein ganzheitlich nachhaltiges Handeln und mehr Transparenz entlang der Wertschöpfungskette. Ich denke, dass Naturkosmetikfirmen hier ihre Stärken ausspielen können (und sollten).

Science-based beauty/Efficacy

Wirkstoffkosmetik wird relevanter, Naturkosmetik will konkurrenzfähig bleiben und sich nicht als „unwirksam“ abstempeln lassen. Es gibt immer mehr Produkte mit modernen Wirkstoffen, die sich vor konventioneller Kosmetik nicht versteck en müssen. Dies muss auch ausreichend kommuniziert werden, weil die Verbraucher*innen aufgeklärter sind, Werbeclaims stärker hinterfragen und insgesamt mehr von den Produkten erwarten (Stichwort: „Skintellectuals“).

Das waren die aktuellen Themen und Trends auf der VIVANES 2021. Ich werde diese natürlich über das Jahr hinweg weiter neugierig beobachten. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sowohl die Pandemie als auch das wachsende Bewusstsein für Umwelt- und Klimaschutz in der Gesellschaft einen Einfluss auf das Konsumverhalten und damit auch die Marktentwicklung von Naturkosmetik haben.

In einem zweiten Teil werden wir uns gemeinsam die Marken und Produkte der VIVANESS 2021 anschauen. Ihr könnt Euch auf ein paar spannende Neuheiten freuen, die mich selber überrascht haben!

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