Duft und Psyche

Dass ätherische Öle nicht nur körperlich, sondern auch psychisch wirken ist Dir möglicherweise schon bekannt. Da ich von körperlichen Leiden – Erkältungen, Hämatome oder Kopfschmerzen mal ausgenommen – weitestgehend verschont bin, habe ich mich immer schon etwas mehr für die psychischen Wirkungen der ätherischen Öle interessiert. Tatsächlich wirken ätherische Öle nicht nur subjektiv auf die Psyche, z. B. weil man den Duft mag, sondern auch ganz konkret durch die Ausschüttung von Botenstoffen im Gehirn, wenn die Duftmoleküle an Rezeptoren in der Riechschleimhaut andocken. Das ist Biochemie und wahnsinnig faszinierend, wie ich finde. Kein Hokuspokus, sondern Wissenschaft. Duft und Psyche hängen also eng zusammen.

Ich habe bisher beste Erfahrungen bei Anwendungen zur Entspannung, bei Ängsten und depressiven Verstimmungen und allgemein bei der Steigerung des seelischen Wohlbefindens gemacht. Einfach, aber effektiv. Einige dieser Düfte habe ich Euch in einem älteren Blogbeitrag schon mal vorgestellt. Ich möchte die Liste um ein paar weitere Öle ergänzen, die gut ins Thema Duft und Psyche passen.

Duft und PsycheNeroli (Citrus x aurantium)- der Blütenduft der Bitterorangen – ist eins DER Psycho-Öle überhaupt und als „Rescue-“ oder „SOS-Öl“ bekannt. Es enthält viele verschiedene entspannende und anregende Substanzen, v.a. Monoterpene, Monoterpenole und Ester (Linalool, Nerol, trans-Nerolidol…). Die Gewinnung aus den feinen Blüten ist aufwändig und das Öl daher sehr kostbar. Für eine gute Wirkung reichen aber schon Spuren, weshalb man getrost auf verdünnte Varianten (bspw. 10 % in Alkohol) zurückgreifen kann. Ätherisches Neroliöl wird v. a. im psychischen Bereich bei Schockzuständen und Ängsten angewendet – ich habe sehr gute Erfahrungen bei Panikzuständen und seelischen „Notfällen“ gemacht. Auch das Hydrolat eignet sich als stimmungsaufhellendes, angstlösendes, nervenberuhigendes Raum- und Körperspray. In Kombination mit Lavendel und Orange ergibt sich ein schöner schlaffördender Duft. Vom Bitterorangenbaum (Citrus aurantium var. amara) stammen übrigens auch ätherisches Bitterorangen- und Petitgrainöl, die ebenfalls entspannende Ester enthalten.

Duft und PsycheFrangipani (Plumeria acutifolia oder Plumeria alba) ist ein anderes Beispiel für die starke psychische Wirkung von Blütendüften. Mittels Hexanextraktion wird ein Absolue gewonnen, das relativ kostspielig, aber auch extrem duftintensiv ist. Eine Verdünnung in Alkohol oder Jojobaöl ist preislich erschwinglicher und wie bei allen Absolues auf jeden Fall ausreichend in Duft und Wirkung. Man bekommt es z. B. bei Farfalla. Für psychisch wirksame Düfte gilt ohnehin: weniger ist mehr. Frangipani enthält Aromatische Ester und andere Substanzen, v.a. Lupeol, die stark entspannend und stimmungsaufhellend wirken. Dem Öl wird auch eine aphrodisierende Wirkung zugesprochen.
Der Frangipani wächst hauptsächlich im karibischen Raum, Mexiko und Südamerika sowie in Südostasien. Aber auch in Südspanien haben wir schon ein paar große Bäume mit den wunderschönen Blüten gesehen (wohl angepflanzt). Der Duft der Blüten ist süß und betörend und hält nicht lange an, wenn man sie pflückt (also lieber dran lassen). Ich mag es sehr in Mischung mit Sandelholz, Grapefruit und/oder Vanille.

Duft und PsycheDie Schwertlilie (Iris pallida oder Iris germanica var. florentina) liefert eins der seltensten und kostbarsten ätherischen Öle der Welt: Irisöl. Es wird allerdings nicht aus den Blüten, sondern den getrockneten und fermentierten Rhizomen der Blumen gewonnen. Diese müssen mehrere Jahre lagern und ergeben anschließend nur minimale Mengen ätherisches Öl. Daher kosten 1 ml reinen Öls über 150 €! Aber keine Panik: in 1%iger Verdünnung ist es erschwinglich und zudem ausreichend duftintensiv. Tatsächlich ist es erst so hoch verdünnt überhaupt angenehm für unsere Nasen: irgendwie pudrig-zart, betörend, leicht blumig und doch erdig – schwer zu beschreiben. Iris ist übrigens auch der griechische Name der Regenbogengöttin (Zufall?). In der Aromatherapie wird Irisöl in der Sterbebegleitung und bei starken (seelischen) Veränderungen eingesetzt. Es ist ein Wegbleitungs- und Loslass-Öl. Nichts für den Alltag, sondern etwas für besondere Anlässe. Bei Aroma-Zone habe ich mir zum Vergleich einen günstigen CO2-Extrakt gekauft, der ebenfalls schön duftet, aber nicht diese Vielschichtigkeit des ätherischen Öls besitzt.

Duft und PsycheEiner meiner Lieblingsdüfte und wohl DAS ätherische Öl für sensible Menschen: die Mimose. Wie der botanische Name (Acacia dealbata) schon verrät, handelt es sich hierbei eigentlich um eine (Silber-) Akazie. Was wir normalerweise unter „Mimose“ kennen ist eine ganz andere Pflanze, nämlich Mimosa pudica, aus der KEIN ätherisches Öl gewonnen wird. Aber von der Symbolik her passen beide zusammen: sie sind zart, empfindlich, verletzlich. Wie viele andere Blütendüfte auch ist Mimose kein ätherisches Öl, sondern ein Absolue und dadurch besonders kosten- und duftintensiv. Es ist meist in einer Alkohol-Verdünnung erhältlich, z. B. bei Primavera.
Für Tage, an denen ich mich dünnhäutig und verletzlich fühle habe ich mir einen Roll-On mit Jojobaöl (10 ml) gemischt:
4 Tr. Neroli 10%
2 Tr. Mimose 15%
2 Tr. Mandarine rot
1 Tr. Benzoe Siam (oder Vanille)

Seht ihr die knitterigen, zarten Blütenblätter der Cistrose? Wer würde vermuten, dass ihr balsamisch-süßes Öl eine so starke psychische Wirkung hat? Aus der Cistus ladanifer wird mittels Wasserdampfdestillation ein intensiv duftendes, kostbares ätherisches Öl gewonnen, das sowohl äußerlich als auch innerlich „Wunden schließt“. Die Inhaltsstoffe wirken stark blutstillend, sodass sich das Öl (auch pur) als Soforthilfe bei kleinen Schnitten und Schrunden eignet. Auch angegriffene, wunde Gesichtshaut profitiert von Cistrosenöl und/oder -hydrolat. Wenn man sich durch seelische Verletzungen „zerknittert“ fühlt, kann dieses Öl Wärme und Zuversicht schenken. Zarte Blüten für zarte Menschen also. Es mischt sich toll mit anderen Blütendüften, wie Lavendel fein, Rosengeranie, Immortelle oder Rose. WADI hat ein schönes Cistrosenöl im Sortiment. Das Kraut aus einer verwandten Art – Cistus incanus – wird übrigens als Tee bei Erkältungen empfohlen, weil es das Immunsystem stärken soll. Der Geschmack erinnert an Honig.

Angelika (Angelica archangelica) – der botanische Name bezieht sich auf das Wort „(Erz-) Engel“, weshalb diese Pflanze auch Engelwurz genannt wird. Tatsächlich haben ihre nach oben ausgestreckten Blütendolden etwas von Engelsflügeln und der Sage nach wurde sie von einem Engel auf die Erde gebracht. Ich mag solche alten Geschichten, die uns etwas über die Weltanschauung der Menschen damals verraten. Die bis zu 3 Meter hohe Pflanze und von ihr vor allem die Samen und Wurzeln werden schon sehr lange volksmedizinisch verwendet: bei Verdauungsbeschwerden aller Art, Schlaflosigkeit und Rheuma. Das ätherische Angelikawurzelöl stärkt die körperlichen und seelischen Abwehrkräfte, weshalb es nun zu meinem Repertoire der psychisch relevanten Öle gehört. Das Öl vermittelt, gleichermaßen wie die Pflanze, ein Gefühl von Erdung und Raum, gibt uns Selbstvertrauen, Mut und innere Stärke und lässt uns sagen: „ich stehe fest und mache mich groß“. Gar nicht verkehrt, wenn man mit Selbstzweifeln und Unsicherheiten zu kämpfen hat. Angelikawurzel ist ein kostbares Öl, das Immunsystem und Psyche gleichermaßen stärkt. Ich habe mir daraus einen einfachen Balsam auf Basis von Sheabutter gemischt: 10 g Sheabutter vorsichtig bei 40 Grad aufschmelzen und 1-2 Tropfen reinen Angelikawurzelöls hinzugeben. Gut vermischen, in einen Tiegel füllen und für 20 Min in der Tiefkühler stellen.

Ich habe ja so eine Schwäche für etwas außergewöhnliche ätherische Öle mit besonderen Duftbouquets. Rhododendronöl (Rhododendron anthopogon) ist so ein Fall. Der Duft ist schwer zu beschreiben: würzig-krautig, blumig-frisch, evtl. mit einer zitrischen Beinote. Er erinnert mich ein bisschen an Lorbeer und Petitgrain. Tatsächlich wird ätherisches Rhododendronöl auch aus den Blättern der Pflanze gewonnen und zwar aus einer ganz speziellen Art, die nur im Himalayagebiet wächst. Das Öl enthält verschiedene Monoterpene, die v. a. auch in Nadelbaumölen vorkommen. Sie schenken ihm den frischen Duft und sind u. a. für seine antimikrobielle und schmerzlindernde Wirkung verantwortlich.
Auf psychischer Ebene soll Rhododendronöl die Widerstandskraft stärken, das Selbstvertrauen fördern, seelisch aufrichten und Lebensfreude schenken. Ein Öl, das ich schon lange kenne und sehr schätze. Es ist selten erhältlich, aber Du bekommst es beispielsweise bei Oshadhi.

Duft und Psyche – zwei Themen, die mich weiterhin begleiten werden!

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Quellen:
☀︎ Werner, Monika & von Braunschweig, Ruth (2016): Praxis Aromatherapie: Grundlagen – Steckbriefe – Indikationen, 5. Auflage, Haug Fachbuch.
☀︎ Zimmermann, Eliane (2016): Aromatherapie – Die Heilkraft ätherischer Pflanzenöle, 3. Auflage, Irisiana.

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