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Pflanzenextrakte selber machen

In meiner eigenen Naturkosmetik verwende ich sehr gerne Pflanzenextrakte, die ich bevorzugt selber mache. Ich habe immer eine große Auswahl an Tinkturen, Ölauszügen und Hydrolaten da, die sich sehr vielseitig einsetzen lassen. So kann ich mir die verschiedenen Inhaltsstoffe der Pflanzen ganz gezielt auch für die Hautpflege zu Nutze machen.

Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten, Inhaltstoffe aus einer Pflanze zu extrahieren. Die Wahl des Auszugsmittels richtet sich in erster Linie nach der Art und der Löslichkeit der Inhaltsstoffe. Die meisten Pflanzenstoffe sind hydrophil, also wasserlöslich. Darunter fallen die Gruppen der Flavonoide, Bitter- und Gerbstoffe, Saponine, Schleimstoffe, Salizine und Säuren. Lipophile, also fettlösliche Stoffe sind beispielsweise bestimmte Vitamine (E, K), Carotinoide und ätherische Öle. Auch der spätere Einsatzzweck kann ausschlaggebend sein: möchte ich z. B. eine Salbe herstellen, brauche ich ein Öl, bei einem rein wässrigen Toner hingegen einen Alkoholextrakt.

Im Nachfolgenden stelle ich Euch nun die verschiedenen Möglichkeiten vor, um Pflanzenextrakte zu Hause selber zu machen – z. B. für die eigene Kosmetik:

  1. Ölmazerat
  2. Alkoholauszug
  3. Glycerit
  4. Hydrolat
Heilpflanzen Grundlagen
Pflanzenextrakte lassen sich auch sehr gut aus getrockneten Kräutern selber machen.

4 Möglichkeiten Pflanzenextrakte selber zu machen

1. Ölmazerat

Als Mazerat bezeichnet man erst einmal grundsätzlich einen Kaltauszug von Pflanzenmaterial (in Wasser oder Öl). Mit einem Ölmazerat können die lipophilen Inhaltsstoffe aus der Pflanze extrahiert werden. Hier eignen sich vor allem Pflanzen, die viele solcher Stoffe enthalten, wie beispielsweise Ringelblumen, Kamillenblüten oder Johanniskraut.

Man braucht dazu vor allem sauberes Pflanzenmaterial und ein oxidationsstabiles Pflanzenöl nach Wahl (z. B. Mandel-, Jojoba-, Sesam- oder Olivenöl) sowie viel Zeit und Geduld. Das Pflanzenmaterial muss nämlich für mehrere Wochen mit Öl bedeckt an einem geschützten Ort stehen und mazerieren. Die Inhaltsstoffe der Pflanze gehen so langsam in das Öl über. Jeden Tag mehrmals zu schütteln oder zu schwenken verbessert die Wirkstoffausbeute. Man kann das Öl auch erwärmen, um den Prozess etwas zu beschleunigen, zerstört damit aber u. U. empfindliche Inhaltsstoffe.

Grundsätzlich besteht Schimmelgefahr durch eventuelle Restfeuchte im Pflanzenmaterial. Es bietet sich daher an, dieses vorab etwas antrocknen zu lassen oder ggf. auf getrocknete Pflanzen (Drogen genannt) zurückzugreifen. Außerdem sollte man das Glas nur mit einem Küchenpapier abdecken, damit eventuelle Restfeuchte entweichen kann. Ich rate eher davon ab, das Öl in der Sonne stehen zu lassen, denn Wärme und UV-Licht beschleunigen Oxidationsprozesse im Öl (= es wird ranzig).

Nach 3-4 Wochen kann man das Ganze durch einen Kaffeefilter gießen und das Öl auffangen. Das ölgetränkte Pflanzenmaterial im Kaffeefilter bitte nicht ausdrücken, denn es enthält evtl. noch Restfeuchte, Schleimstoffe usw., die nicht ins Öl gelangen sollen. Das Ölmazerat ist nun je nach Trägeröl etwa ein Jahr haltbar. Man kann es hervorragend für Salben, Balsame und Massageöle verwenden und so gezielt die Wirkung von Öl und Pflanze kombinieren, ggf. ergänzt durch passende ätherische Öle.

Typische Ölmazerate, die man auch im Handel kaufen kann sind Johanniskraut, Ringelblume und Arnika. Hier auf vertrauenswürdige Anbieter und die Zutatenliste („Ingredients“) achten, um herauszufinden, welches Trägeröl verwendet wurde. Meist kommen stabile Öle, wie Olivenöl, Sonnenblumenöl oder Sojaöl zum Einsatz.

Pflanzenextrakte selber machen
Ölmazerat aus der Ringelblume (Calendula)

2. Alkoholauszug (= Tinktur)

Mit Alkohol lassen sich sowohl lipophile als auch hydrophile Inhaltsstoffe aus dem Pflanzenmaterial extrahieren. Zudem konserviert der Alkohol nicht nur den Auszug, sondern (je nach Einsatzkonzentration) auch das spätere Kosmetikprodukt.
Der Alkoholgehalt (in Vol.-% angegeben) richtet sich nach dem Pflanzenmaterial und den zu extrahierenden Stoffen. Je härter und fester das Material, desto höherprozentig der benötigte Alkohol. So reichen bei Blüten 30-40 Vol.-%, bei Rinden und Wurzeln sollten es schon 70 Vol.-% sein. Bei den meisten Pflanzen ist man mit Einsatzkonzentrationen zwischen 50 und 70 Vol.-% gut bedient, da sie viele verschiedene Arten von Inhaltsstoffen lösen. Reiner Alkohol (96 Vol.-%) funktioniert nicht, da die Pflanzenzellen etwas Wasser benötigen, um aufzuquellen. Nur so können Inhaltsstoffe von dem Alkohol aus den Pflanzen gelöst werden.

Ganz wichtig ist, nur sog. unvergällten, reinen Alkohol (= Ethanol/Weingeist) zu verwenden. Vergällunsgmittel machen den Alkohol ungenießbar und damit deutlich günstiger, weil er von der hohen Alkoholsteuer befreit ist. Diese Vergällungsmittel bergen aber ein gewisses Allergiepotenzial, weshalb ich von sog. „kosmetischem Basiswasser“ bei der Kosmetikherstellung die Finger lassen würde. Auch Isopropanol/Isopropylalkohol eignet sich nicht zur Herstellung von Pflanzenextrakten. Er dient nur der Desinfizierung von Oberflächen und Utensilien. Hier bitte nicht am falschen Ende sparen.

Hergestellt wird ein alkoholischer Extrakt ähnlich wie ein Ölmazerat: man gibt einen Teil frisches oder getrocknetes Pflanzenmaterial und fünf bis zehn Teile Alkohol in ein Glas, das man gut verschließt, damit der Alkohol sich nicht verflüchtigt. Man kann die Mischung nun entweder ein paar Wochen geschützt stehen lassen und dabei mehrmals täglich schütteln. Oder man führt eine sog. Turboextraktion durch, bei der das Ganze für ca. 5 Minuten mit einem Stabmixer püriert wird. Damit der Brei dabei durch den Energieeintrag des Stabmixers nicht zu warm wird , sollte man dies in einem kalten Wasserbad durchführen. Kennengelernt habe ich diese Methode bei Heike Käser.

Anschließend filtert man den Brei einmal grob durch einen Kaffeefilter, bevor der Extrakt idealerweise noch durch eine sog. Nutsche (= Laborfilter) gegeben wird. So können auch kleine Schwebteilchen abgefiltert werden, die ansonsten eine Verkeimungsgefahr im fertigen Kosmetikprodukt darstellen, da sie ein Nährboden für Mikroorganismen sind. Alkoholische Pflanzenextrakte lassen sich hervorragend in Gesichtstonern, Gelen, Mundwässern und Emulsionen einsetzen; in rein fettbasierten Produkten können sie nicht verwendet werden.

Alkoholextrakte kann man eigentlich mit allen Pflanzen machen, deren hydro- und lipophilen Stoffe man im Endprodukt haben möchte.

Gundermann in Alkohol

3. Glycerit

Sie bestehen aus Glycerin (und Wasser) und extrahieren meines Wissens nur hydrophile Stoffe, was in den meisten Fällen aber ausreichend ist. Allerdings ist der Effekt nicht so stark wie beim Alkohol, weshalb ich bevorzugt ebendiesen oder eine Mischung aus beidem für meine Extrakte verwende. Glycerite bieten sich für Menschen an, die auf Alkohol verzichten wollen/müssen, wobei Alkohol zu Unrecht so einen schlechten Ruf hat. Aber das ist ein anderes Thema…

Glycerite stellt man eigentlich genau so her, wie Alkoholextrakte, nur dass man eben Glycerin (am besten 86%ig) anstelle von Alkohol verwendet. Glycerite sind nicht so lange haltbar, wie alkoholische Extrakte (max. 1 Jahr). Sie lassen sich aufgrund ihrer höheren Viskosität auch nicht so gut schwebstofffrei filtern wie reine Alkoholextrakte. Außerdem ist ihre Einsatzkonzentration in Produkten aufgrund ihrer starken Klebrigkeit und ihrer hygroskopischen (wasseranziehenden) Eigenschaften begrenzt. Empfehlenswert sind 3-5 % (außer bei Mund- und Zahnpflegeprodukten, wo Glycerin gerne auch höher dosiert wird).

Viele käufliche Extrakte sind übrigens auf Glycerinbasis (in den Produktbeschreibungen der Onlineshops nachzulesen).

Pflanzenextrakte selber machen
Zitronenmelisse in Glycerin

4. Hydrolat

Hydrolate entstehen bei der Destillation von ätherischen Ölen, quasi als Nebenprodukt. Sie sind sozusagen die „kleinen Schwestern“ der ätherischen Öle, da sie ihnen in der Wirkung meist stark ähneln, dabei jedoch viel milder und einfacher in der Anwendung sind. Bei der Destillation schwimmt das ätherische Öl oben auf und wird später abgezogen, übrig bleibt das Hydrolat. Nur ein winzig kleiner Teil (ca. 0,1-0,3 %) des ätherischen Öls bleibt im Hydrolat gelöst. Hydrolate enthalten außerdem die flüchtigen wasserlöslichen Inhaltsstoffe einer Pflanze, die bei der Destillation mit dem Wasserdampf transportiert wurden. Dadurch enthalten manche Hydrolate auch Stoffe, die nicht im lipophilen ätherischen Öl der jeweiligen Pflanze zu finden sind, z. B. Rosmarinsäure im Rosmarinhydrolat oder Phenetylalkohol im Rosenhydrolat. So kann es sein, dass Hydrolate noch einmal etwas andere Eigenschaften haben als ihre jeweiligen ätherischen Öle.

In der Kosmetik verwendet man Hydrolate als hochwertigen Ersatz für einfaches Wasser. Sinnvoll ist dies aus meiner Sicht bei Produkten, die überwiegend aus Wasser bestehen, wie Toner, Gele oder Deo-Sprays.

Ich stelle meine Hydrolate mittlerweile selber mit einer kleinen Kupferdestille her, was jedoch kein Muss ist. Man kann sie auch in sehr guter Qualität kaufen. Mir macht das Sammeln und Verarbeiten der Pflanzen einfach viel Spaß und mit den hergestellten Hydrolaten verbinde ich immer bestimmte, positive Erinnerungen (Dänemarkurlaub, Spaziergänge in der Natur…). Daher hat sich das Destillieren in den letzten Jahren zu einem regelrechten Hobby entwickelt.

Destillation von Pfefferminze

Pflanzenextrakte einfach selber machen

Das waren die vier Methoden mit denen man Pflanzenextrakte zu Hause selber machen kann. Wenn Du mehr über bestimmte Pflanzen, ihre Inhaltsstoffe und die Andwendungsgebiete (Indikationen) wissen möchtest, kannst Du in meinem Pflanzenlexikon nachschauen. Im Arzneipflanzenlexikon der Kooperation Phytopharmaka findest Du eine ausführliche Datenbank. Und wenn Du Literatur zu dem Thema suchst, kann ich Dir die Bücher von Ursel Bühring empfehlen.

Machst Du Deine Pflanzenextrakte auch selber? Oder hast Du noch Fragen dazu? Schreibe mir gerne einen Kommentar!

Quellen

  • Bühring, Ursel (2014): Alles über Heilpflanzen: Erkennen, anwenden und gesund bleiben, 3. Auflage, Verlag Eugen Ulmer.
  • Käser, Heike (2018): Naturkosmetik selber machen, 7. Auflage, Verlag Freya.
  • Kleindienst-John, Ingrid (2018): Hydrolate. Sanfte Heilkräfte aus dem Pflanzenwasser, 1. Auflage, Verlag Freya.

5 Kommentare

    • Tobias Kahrmann

      Hallo, Erfahrungen habe ich damit nicht, aber m. E. ist das Prinzip dasselbe und müsste auch funktionieren…

    • Katrin Schray

      Hallo Anna,
      also mal kurz eine fachmännische bzw. fachfrauliche Antwort 🙂 . Ich bin ausgebildete Destilliermeisterin oder zu neudeutsch Master Distiller. So einen „Edelstahltopf“ wie im Video braucht es nicht zwingend, wenn du im kleinen privaten Rahmen Hydrolate herstellen möchtest. Da kannst du dir auch einen italienischen Espressokocher für 10 Euro kaufen, der macht das gleiche. Statt Espresso füllst du in den Bereich z. B. den Lavendel. Wenn du das ganze hinterher nicht filterst, bleiben die wenigen ätherischen Ölanteile enthalten. Das ganze durch einen doppelten Kaffefilter, dann sind sie draußen.Wenn du das Hydrolat in Twist off Flaschen oder Gläser füllst und 1 Stunde bei 100 Grad in den Backofen stellst, bleibt es bis zum öffnen länger haltbar. Wenn du das Ganze professionell machen möchtest, würde ich immer eine Destille aus Kupfer empfehlen! Kupfer wirkt wie ein Katalysator. Eine solche 2 Liter Destille darf man als Privatperson besitzen, um AUSSCHLIESSLICH Hydrolate herzustellen. Sobald man auf die Idee kommt als Privatperson dort Alkohol reinzufüllen und erwischt wird, macht man sich strafbar!
      Hoffe meine Antwort hat weitergeholfen.
      Viel Erfolg
      Katrin

  1. Nina Krstanovic

    Danke! Gute Erklärung. LG Nina

    • Tobias Kahrmann

      Danke, das freut mich! 🙂

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