Pflanzenextrakte herstellen

In meiner eigenen Naturkosmetik verwende ich sehr gerne Pflanzenextrakte, die man übrigens auch leicht selber herstellen kann. Ich habe immer eine große Auswahl an Tinkturen, Ölauszügen und Hydrolaten da, die sich sehr vielseitig einsetzen lassen. So kann ich mir die verschiedenen Inhaltsstoffe der Pflanzen ganz gezielt auch für die Hautpflege zu Nutze machen.

Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten, Inhaltstoffe aus einer Pflanze zu extrahieren. Die Wahl des Auszugsmittel richtet sich in erster Linie nach der Art und der Löslichkeit der Inhaltsstoffe.
Die meisten Pflanzenstoffe sind hydrophil, also wasserlöslich. Darunter fallen die Gruppen der Flavonoide, Bitter- und Gerbstoffe, Saponine, Schleimstoffe, Salizine und Säuren. Lipophile, also fettlösliche Stoffe sind beispielsweise bestimmte Vitamine (E, K), Carotinoide und ätherische Öle.
Auch der spätere Einsatzzweck kann ausschlaggebend sein: möchte ich z. B. eine Salbe herstellen, brauche ich ein Öl, bei einem rein wässrigen Toner hingegen einen Alkoholextrakt.

Im Nachfolgenden stelle ich Euch kurz die verschiedenen Möglichkeiten vor, wie man Pflanzenextrakte selber machen kann.

Pflanzenextrakte herstellen

1. Ölmazerate

Als Mazerat bezeichnet man erst einmal grundsätzlich einen Kaltauszug von Pflanzenmaterial (in Wasser oder Öl). Mit einem Ölmazerat können alle lipophilen Inhaltsstoffe aus der Pflanze extrahiert werden. Hier eignen sich vor allem Pflanzen, die viele solcher Stoffe enthalten, wie Ringelblumen oder Johanniskraut. Man kann sie auch im Handel kaufen und in den „INCI“ bzw. „Ingredients“ (engl. Inhaltsstoffe) nachlesen, welches Trägeröl verwendet wurde. Meist kommen dabei stabile Öle, wie Olivenöl, Sonnenblumenöl oder Sojaöl zum Einsatz.

Ringelblumenöl

2. Alkoholauszüge

Mit Alkohol lassen sich sowohl lipophile als auch hydrophile Inhaltsstoffe aus dem Pflanzenmaterial extrahieren. Zudem konserviert der Alkohol nicht nur den Auszug, sondern (je nach Einsatzkonzentration) auch das spätere Kosmetikprodukt. Alkoholauszüge nennt man auch Tinkturen.

Alkoholextrakte kann man eigentlich mit allen Pflanzen machen, deren hydro- und lipophilen Stoffe man im Endprodukt haben möchte. Hier ist es sehr wichtig, sich zunächst eingehend mit der zu extrahierenden Pflanze zu beschäftigen (z. B. im kostenlosen Arzneipflanzenlexikon der Kooperation Phytopharmaka). Man kann solche Auszüge natürlich auch fertig kaufen (meist online).

Pflanzenextrakte selber machen
Gundermann in Alkohol

3. Glycerite

Sie bestehen aus Glycerin (und Wasser) und extrahieren meines Wissens nur hydrophile Stoffe, was in den meisten Fällen aber ausreichend ist. Allerdings ist der Effekt nicht so stark wie beim Alkohol, weshalb ich bevorzugt ebendiesen oder eine Mischung aus beidem für meine Extrakte verwende.
Glycerite bieten sich für Menschen an, die auf Alkohol verzichten wollen/müssen, wobei Alkohol zu Unrecht so einen schlechten Ruf hat. Aber das ist ein anderes Thema…

Ich persönlich verwende reine Glycerite nicht so häufig; sie kommen bei mir im Gesichtswaschgel, im Zahngel und im Mundwasser zum Einsatz. Viele käufliche Extrakte sind aber auf Glycerinbasis (nachzulesen in der Beschreibung der Onlineshops).

Pflanzenextrakte selber machen
Zitronenmelisse in Glycerin

4. Hydrolate

Hydrolate entstehen bei der Destillation von ätherischen Ölen, quasi als Nebenprodukt. Sie sind sozusagen die „kleinen Schwestern“ der ätherischen Öle, da sie ihnen in der Wirkung meist stark ähneln, dabei jedoch viel milder und einfacher in der Anwendung sind. In der Kosmetik verwendet man Hydrolate als hochwertigen Ersatz für einfaches Wasser. Sinnvoll ist dies aus meiner Sicht bei Produkten, die überwiegend aus Wasser bestehen, wie Toner, Gele oder Deo-Sprays.

Ich stelle meine Hydrolate mittlerweile selber mit einer kleinen Kupferdestille her, was jedoch kein Muss ist. Man kann sie auch in sehr guter Qualität kaufen. Mir macht das Sammeln und Verarbeiten der Pflanzen einfach viel Spaß und mit den hergestellten Hydrolaten verbinde ich immer bestimmte, positive Erinnerungen (Dänemarkurlaub, Spaziergänge in der Natur…). Daher hat sich das Destillieren in den letzten Jahren zu einem regelrechten Hobby entwickelt.

Destillation von Pfefferminze

Das waren die vier Methoden, wie man Pflanzenextrakte selber herstellen kann.

Wenn Du mehr darüber erfahren möchtet, lade ich Dich zu meinem Webinar „Pflanzenextrakte selber machen“ ein.


Quellen:
☀︎ Bühring, Ursel (2014): Alles über Heilpflanzen: Erkennen, anwenden und gesund bleiben, 3. Auflage, Verlag Eugen Ulmer.
☀︎ Käser, Heike (2018): Naturkosmetik selber machen, 7. Auflage, Verlag Freya.
☀︎ Kleindienst-John, Ingrid (2018): Hydrolate. Sanfte Heilkräfte aus dem Pflanzenwasser, 1. Auflage, Verlag Freya.

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