Wildkräuter sammeln

Noch bevor ich angefangen habe, meine Naturkosmetik selber herzustellen, habe ich mich mit Pflanzen und essbaren Wildkräutern beschäftigt. Mittlerweile kann ich nicht mehr anders, als bei Spaziergängen den Blick über die Pflanzen am Wegesrand wandern zu lassen, um nach Wildkräutern Ausschau zu halten. Das macht wirklich Spaß, denn (fast) überall gibt es etwas zu entdecken. Manche von ihnen, wie Brennnesseln oder Löwenzahn kennt ja jeder, andere wiederum bleiben oft unbeachtet. Mit etwas Übung gelingt es leicht, die essbaren von den ungenießbaren Pflanzen zu unterscheiden.

Auch dieses Jahr habe mich wieder sehr auf den Frühling gefreut, denn mittlerweile sprießen überall frische Wildkräuter, die ich in der Küche und/oder in der Kosmetik verwenden kann. Und jedes Jahr kommen für mich ein paar neue dazu – man lernt ja nie aus. Dieses Jahr habe ich zum Beispiel zum ersten Mal die Sprossen vom wilden Hopfen gegessen. Der schmeckt ein bisschen wie grüner Spargel und wächst überall hier und da. Ist das nicht spannend?! Nun liegen noch ein paar Monate vor mir, in denen ich fleißig Pflanzen sammeln und zu Pesto, Sirup, Limonade, Extrakten und Hydrolaten verarbeiten kann. Dazu verrate ich Dir zwei schmackhafte Rezepte zum Nachmachen!

Aber vorher stelle ich Dir noch ein paar gängige Wildkräuter vor, die Du bestimmt auch schon mal gesehen hast!

1. Ist der leuchtend gelb blühende Löwenzahn nicht der Frühlingsbote schlechthin? Wie kleine Sonnen ragen die hübschen Blüten auf Wiesen und an Wegen empor. Und später werden daraus die hübschen Pusteblumen, die ich schon als Kind so geliebt habe. Wusstest Du, dass man Löwenzahn auch essen kann? Die kleinen, frischen, zarten Blätter schmecken toll im Salat, Smoothie oder Pesto. Die enthaltenen Bitterstoffe kurbeln die Verdauung an. Aus den Blüten kann man Tee oder Sirup („Löwenzahnhonig“) herstellen.

2. Eins meiner Lieblingskräuter, das man wirklich das ganze Jahr und fast überall findet ist der Giersch. Viele Gartenbesitzer hassen ihn, denn wo er einmal Wurzeln geschlagen hat, kommt er immer und immer wieder… Dabei darf man sich über das vitamin- und mineralstoffreiche Kraut sehr freuen! Giersch schmeckt leicht würzig, erinnert ein bisschen an Petersilie und Spinat und lässt sich vielseitig verwenden: im Salat oder gedünstet, als Pesto oder für eine Kräuterlimonade. Für diese einfach einfach eine Handvoll Blätter über Nacht in einem Liter Apfelschorle ziehen lassen und am nächsten Tag entfernen. So einfach geht das!

3. Ein anderes Kraut, das mich nicht nur kulinarisch, sondern auch in der Kosmetik begleitet ist der Gundermann. Ich verwende ihn gerne aufgrund seines würzigen Geschmacks als Zusatz in Pestos oder Kräuterlimonaden. Als Hydrolat destilliert eignet er sich hervorragend pur als Gesichtswasser bei fetter und unreiner Haut; er wirkt außerdem entzündungshemmend. Der Duft des Hydrolats ist etwas herb, was ich persönlich aber sehr mag. Einen Pflanzensteckbrief findest Du übrigens auch in meinem Pflanzenlexikon.

4. Eine Pflanze, die überall „wie Unkraut“ wächst und die mit Sicherheit jeder kennt: die Brennnessel. Sie steckt voller Vitamine und Mineralstoffe, darunter viel Vitamin C, Eisen und Kieselsäure, aber auch Eiweiß, sekundäre Pflanzenstoffe und natürlich reichlich Chlorophyll. Sie schmeckt wie Spinat und lässt sich roh oder gedünstet verwenden. Am besten schmecken die ersten Triebe im Frühjahr oder, bei größeren Pflanzen, der jüngste Teil, also die oberen zwei bis vier Blattpaare. Die nussigen Samen kann man auch essen. Innerlich wird die Brennnessel bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt; sie wirkt auch leicht harntreibend. In der Kosmetik findet sie traditionell bei Haarpflegeprodukten Einsatz, da sie die Durchblutung der Kopfhaut anregen soll. Aber Vorsicht beim Sammeln, denn die kleinen Härchen an der Blattunterseite verursacht ein unangenehmes Brennen auf der Haut (damit schützt sich die Pflanze vor Fraßfeinden!).

Warum bereichern Wildkräuter unseren Speiseplan?
Im Gegensatz zu den von uns Menschen über Jahrhunderte gezüchteten Salaten und Kräutern aus dem Gewächshaus enthalten Wildkräuter noch alle ursprünglichen Bitter-, Abwehr- und sekundären Pflanzenstoffe. Diese sind es, die ihnen das Überleben in der „wilden“ Natur ermöglichen. Wildkräuter müssen nicht extra von uns gepflegt, gemulcht, gedüngt und gegossen werden, denn sie sind angepasst an die wechselhaften und z. T. widrigen Bedingungen ihrer Umwelt. Dieses Konzentrat an wertvollen Nährstoffen können wir zur Bereicherung unseres Speiseplans nutzen. Menschen tun dies schon seit jeher – und in vielen Kulturen und Ländern nach wie vor.

Und zum Schluss noch ganz wichtig! Für alle Wildkräuter gilt: nur sammeln, wo die Pflanzen nicht durch Autoabgase, Hundepipi oder Pflanzenschutzmittel belastet sind und nur, wenn Ihr sie sicher erkennen könnt. Das kommt mit der Übung. Und bitte nicht zu viel auf einmal sammeln, sondern nur für den eigenen Bedarf und lieber an verschiedenen Stellen, damit sich die Pflanzenbestände erholen können.

Ein Rezept für ein einfaches Pesto aus Wildkräutern findest Du hier.

Und wenn Du Dich nun fragst, wie Du lernen kannst, Wildkräuter zielsicher zu finden, zu bestimmen und zu sammeln, dann schau doch mal in einem meiner Workshops vorbei, wo ich mit Dir gemeinsam auf die Suche in der Natur gehe und alles ganz ausführlich erkläre. Im Anschluss bereiten wir aus den gefundenen Kräutern noch ein paar Leckereien zu.

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