Ätherische Öle richtig anwenden

Eine meiner großen Leidenschaften, die sich sukzessive aus der Beschäftigung mit der Naturkosmetik und den Heilpflanzen heraus entwickelt hat ist die Aromatherapie, also die Anwendung ätherischer Öle zur Linderung von körperlichen und seelischen Beschwerden bzw. zur Steigerung des persönlichen Wohlbefindens. Sie ist viel mehr, viel tiefer und komplexer als nur die Beduftung von Räumen oder Kosmetika.

Was sind „ätherische Öle“?

Ätherische Öle sind sog. Vielstoffgemische, d. h. sie bestehen aus verschiedenen lipophilen (= fettlöslichen) Einzelsubstanzen, die natürlicherweise in der jeweiligen Pflanze, aus der sie gewonnen werden, vorkommen. Sie sind letztendlich das, was die Pflanze duftend macht – daher auch der Begriff Aromatherapie. In der Pflanze dienen sie beispielsweise der Abwehr von Schädlingen oder sind an Stoffwechselvorgängen beteiligt.
Das Wort „ätherische“ bedeutet so viel wie „geistig, himmlisch“ und bezieht sich auf die Flüchtigkeit der Substanzen. Diese verdampfen nämlich nach und nach, wenn man die Fläschchen offen stehen lässt, ein bisschen wie Alkohol. Diese Eigenschaft kann man sich ganz toll zu Nutze machen, indem man z. B. 1-2 Tropfen eines ätherischen Öls auf ein Taschentuch, einen Keramikstein oder in eine Wasserschale gibt und so den ganzen Raum sanft beduftet.

Wo kannst Du ätherische Öle kaufen?

In den Geschäften, aber vor allem online gibt es mittlerweile eine schier unüberschaubare Auswahl an verschiedenen Anbietern. Woran soll man sich da orientieren?
Ich habe einfach mal nachgeschaut, von welchen Firmen die Aromatherapie-Expert*innen so kaufen und mich auch hier und da mit anderen Fachkundigen ausgetauscht. Aufgefallen ist mir dabei, dass seriöse Aromatherapeut*innen sich nicht auf eine einzige Firma festlegen und so etwas behaupten wie: „diese Öle sind von einzigartiger Qualität, es gibt nichts vergleichbares“. Das ist nämlich Quatsch. Es gibt eine Vielzahl guter Anbieter im deutschsprachigen Raum, die alle ein etwas anderes Sortiment haben.

Woran erkennst Du echte ätherische Öle?

Damit Du in Zukunft echte ätherische Öle erkennen kannst, möchte ich Dir gerne ein paar Anhaltspunkte geben. Folgendes muss auf dem Fläschchen stehen, wenn es sich um ein echtes ätherisches Öl handeln soll:
•  die Bezeichnung „100 % (natur)reines ätherisches Öl“
•  der Anbau: konventionell, bio/demeter oder Wildsammlung
•  Deutscher UND botanischer/lateinischer Name (sehr wichtig für die eindeutige Identifizierung eines Öls!)
•  die Herkunft (Land)
•  der verwendete Pflanzenteil: Blätter, Blüten, Früchte, Wurzeln, Kraut etc. – aus ein und derselben Pflanze können je nach Pflanzenteil unterschiedliche Öle gewonnen werden (s. Bitterorange/Neroli)
•  ggf. auch der Chemotyp, falls es verschiedene Sorten gibt (Rosmarin cineol, Rosmarin campher…)
•  das Gewinnungsverfahren: Wasserdampf-Destillation, Kaltpressung der Schale oder Extraktion (mit Lösungsmittel)
•  bei Verdünnungen: das Verdünnungsmittel (z. B. Alkohol oder Jojobaöl) und das Mischungsverhältnis (in %)
•  die Füllmenge und die Chargennummer
•  die vollständige Firmenanschrift

Der richtige Umgang mit ätherischen Ölen

Zum Schluss noch ein paar wichtige Hinweise, damit Du mehr Sicherheit im Umgang mit ätherischen Ölen bekommst:
•  Bitte verwende nur echte ätherische Öle, bevorzugt aus biologischem Anbau oder kontrollierter Wildsammlung.
•  Ätherische Öle sind hoch konzentrierte und sehr wirksame Substanzen. Daher sollten sie niemals pur auf Haut und Schleimhaut verwendet werden (mit ein paar Ausnahmen).
•  Von einer inneren Einnahme rate ich ebenfalls ab, wenn man sich nicht schon sehr gut auskennt. Unsere Schleimhaut im Verdauungstrakt ist empfindlich und es könnte zu Verätzungen kommen.
•  Bitte versuche nicht, die ätherischen Öle in Wasser „aufzulösen“, denn sie sind fettlöslich. Als natürliche Emulgatoren für ein Bad fungieren z. B. Alkohol (mind. 40 Vol.-%), Salz, Honig, Sahne oder Kokosmilch.
•  Einige Öle, wie Zimt-, Nelken-, Oregano- oder Thymianöl (ct. thymol) enthalten z. T. stark hautreizende Stoffe. Diese Öle sollten daher nur von Fachkundigen angewendet werden und sind nicht für die kleine Hausapotheke zu empfehlen.
•  Ätherische Öle sind nur begrenzt haltbar, je nach Pflanze und Inhaltsstoffen unterschiedlich lang. Zitrusöle, wie Orange oder Zitrone, aber auch Nadelöle, wie Fichte oder Kiefer beispielsweise sollten nach einem Jahr nach Öffnung des Fläschchens nicht mehr auf der Haut verwendet werden, da sie schädliche Peroxide entwickelt haben könnten. Bei Teebaumöl beträgt die Haltbarkeit sogar nur 6 Monate. Alle anderen Öle halten sich i. d. R. länger, je nach Pflanze 2-4 Jahre. Blütenöle, Hölzer und erdige Düfte, wie Patchouli oder Vetiver können sogar 10 Jahre lang aufbewahrt werden. Am besten das Datum notieren, an dem das Fläschchen geöffnet wurde.
• Ätherische Öle nur in kleinen Braun- oder Blauglasflaschen kaufen und diese trocken, dunkel und bei Zimmertemperatur aufbewahren. Nicht länger offen stehen lassen.
•  Von Kinderhänden fernhalten!⠀
•  Bei Epileptikern, Schwangeren, Babys und Kleinkindern ist besondere Vorsicht angesagt. Bitte keine Experimente!

Grundsätzlich gilt: sei achtsam und sorgsam im Umgang mit den kostbaren Pflanzenessenzen, Dir und der Umwelt zuliebe.

Ich hoffe, ich konnte Dir mit meinem Blogbeitrag eine Idee davon vermitteln, wie spannend und vielseitig, aber auch komplex das Thema ist. Ein eingehendes Studium der Materie und viel Praxiserfahrung sind daher unerlässlich, um die vielen verschiedenen Öle kennen zu lernen und zielsicher anwenden zu können.

Noch mehr Grundlagenwissen, Insidertipps und Andwendungsbeispiele gibt es in meinem Workshop „Dufterlebnisse“. Dort stellen wir auch gemeinsam duftende Produkte her, die Du im Alltag verwenden kannst.

Unter Praktisches findest Du noch Büchertipps, Links zum Thema und Bezugsquellen für ätherische Öle.

Wenn Du einen ausführlicheren Artikel zur Qualität ätherischer Öle lesen möchtest, empfehle ich Dir den Blog von Eliane Zimmermann.

 

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