Die richtige Hautpflege finden (Teil 2)

Nachdem Du nun hoffentlich herausfinden konntest, welchen Hauttyp (und ggf. -zustand) Du hast, möchte ich Dir gerne noch ein paar Tipps zur Pflege geben.

Normale Haut

Normale Haut tritt überwiegend bei Kindern und jungen Menschen auf. Je älter wir werden, desto schlechter kann die Haut nämlich die Feuchtigkeit halten, weshalb wir dann zu trockener (und faltiger) Haut tendieren.
Bei normaler Haut, d. h. solche, wo Talg- und Schweißproduktion ausgewogen sind und auch die Stoffwechselgänge in der Haut gut funktionieren gibt es eigentlich nichts weiter zu tun. Es ist sogar besser, nicht so viel zu tun, um die Haut nicht unnötig aus dem Gleichgewicht zu bringen. Zu viel des Guten kann nämlich auch schaden!
Also, einfach ein mildes Waschgel oder eine leicht rückfettende Reinigungsmilch, anschließend ein tonisierendes Gesichtswasser oder Hydrolat und als Pflege dann eine Creme oder ein Fluid mit durchschnittlichem Fettgehalt und einigen Feuchthaltefaktoren.

Trockene Haut

Wenn man von trockener Haut spricht, ist damit gemeint, dass sowohl die Fett- als auch die Feuchtigkeitsproduktion der Talg- bzw. Schweißdrüsen vermindert sind. Dadurch entstehen trockene, raue Stellen, manchmal auch Hautschüppchen und nach dem Reinigen macht sich schnell ein Spannungsgefühl bemerkbar. Trockene Haut ist i. d. R. feinporig und matt, aber auch empfindlich, da der Barriereschutz geschwächt ist. Sie neigt auch schneller zur Faltenbildung. Vereinfacht gesagt verdunstet die hauteigene Feuchtigkeit zu schnell, da zu wenig natürliche wasserbindende Substanzen einerseits und Lipide/ Fette (= Talg) andererseits vorhanden sind. Die hauteigenen Lipide bilden eine Schutzschicht auf der Haut und halten die Feuchtigkeit innen. Nichts anderes ahmen wir mit einer Feuchtigkeitscreme nach.
Bei der Reinigung sollten milde Waschgele oder rückfettende Waschlotionen bevorzugt werden sowie Gesichtswässer mit wenig (oder ohne) Alkohol. Keine starke Reinigung mit Peelings o. ä., sondern besser ab und zu eine nährende Gesichtspackung.
Anschließend kann eine normale Feuchtigkeitscreme verwendet werden. Wer nun bei „trocken“ zuerst an „fettarm“ denkt, sollte sich nicht einfach nur Öl ins Gesicht schmieren. Natürlich kann ein hochwertiges Pflanzenöl die Pflegeroutine sinnvoll ergänzen, z. B. am Abend, um die Regeneration der Haut zu unterstützen. Trägt man jedoch einfach nur Öl auf, kann die Haut schnell noch trockener werden. Warum ist das so? Auf der Haut haben wir Enzyme, welche die im Öl enthaltenen Fettsäuren spalten können. Um richtig zu arbeiten benötigen sie jedoch Wasser. Wenn wir es nicht von außen aufbringen, bedienen sie sich einfach in der oberen Hautschicht. Das Ergebnis ist dann noch trockenere Haut. Deshalb macht es Sinn, eine Creme zu benutzen, denn die bringt das Wasser (und wasserbindende Substanzen) nebst Fett schon mit. Oder das Öl zumindest in die noch feuchte Haut einmassieren, nachdem man ein Gesichtswasser aufgesprüht hat.

Fette, feuchtigkeitsarme Haut

Die fette, feuchtigkeitsarme Haut wird auch „Seborrhoea sicca“ genannt. Dieser Hauttyp zeichnet sich durch eine erhöhte Talgproduktion bei zeitgleich verminderter Schweißproduktion aus. Sie ist also „trocken“ im Sinne von feuchtigkeitsarm. Die Haut produziert mehr Fett, um das Bisschen an Feuchtigkeit, was da ist zu halten – meist ohne Erfolg. Es entstehen Mitesser, Verhornungen und (fettige) Schüppchen sein. Nach der Reinigung tritt ein leichtes Spannungsgefühl auf.
Fette, feuchtigkeitsarme Haut muss unbedingt sorgsam und regelmäßig gereinigt werden, um den Schmutz und den überflüssigen Talg zu entfernen. Sonst können sich schnell Komedone („Mitesser“) bilden und im schlimmeren Fall auch entzündliche Pickel.
Zu aggressiv sollte die Reinigung jedoch nicht sein, naturkosmetische Tenside auf Zuckerbasis sind da gut geeignet. Auch Alkohol im Gesichtswasser sowie ab und zu eine Tonerde-Packung sind sinnvoll. Auf Fett sollte hierbei verzichtet werden. Dieses kann besser sparsam in Form eines leichten Fluids oder Cremegels und ggf. nachts als Gesichtsöl gesondert aufgetragen werden.
Feuchthaltefaktoren, wie Glycerin, Sodium PCA und Natriumlaktat – die auch natürlicherweise im Schweiß vorkommen – regulieren den Wassergehalt der Haut. Ebenfalls sehr bewährt hat sich Harnstoff, auch Urea genannt, der nicht nur die Feuchtigkeit länger in der Haut hält, sondern gleichzeitig auch Verhornungen sanft löst (= keratolytisch wirkt). So haben Mitesser und Pickel keine Chance mehr.

Fette Haut

Das Wesentliche zur fetten Haut findet ihr schon bei der fetten, feuchtigkeitsarmen Haut. Im Unterschied dazu wird hier neben reichlich Fett aber auch ausreichend Feuchtigkeit (Schweiß) produziert. Der Talg liegt daher wie ein öliger Film auf der Haut, weshalb man sie fachlich korrekt als „Seborrhoea oleosa“ bezeichnet. Fette Haut gilt als robust, dick, glänzend und steht im absoluten Kontrast zur trockenen Haut.
Zusätzliches Fett wird eigentlich nicht gebraucht, aber ein ausgleichendes Gesichtsöl für die Nacht mit einem hohen Anteil an (mehrfach) ungesättigten Fettsäuren kann die hauteigene Talgproduktion etwas drosseln.
Der Schwerpunkt sollte hier auf einer gründlichen, fettfreien Reinigung liegen; die anschließende Pflege kann aus einem klärenden Gesichtswasser und/oder einem simplen Hydrogel bestehen.
Übrigens haben erfahrungsgemäß oftmals Männer eine fettere etwas Haut (überhaupt unterscheiden sich Haut und Bindegewebe beider Geschlechter).

Sensible Haut

Sensible Haut ist ein Zustand, den prinzipiell jede Haut aufweisen kann. Sie reagiert auf äußere (und innere) Reize mit Rötungen, Flecken, Pusteln, Juckreiz, Brennen. Die Ursachen dafür können vielfältig sein. Meistens spielen eine biologische Disposition (= angeboren), die Umwelt und – wie immer – auch die Psyche eine Rolle. So kommt es sicher nicht von ungefähr, dass zartbesaitete Menschen oft auch eine empfindliche Haut haben. Das ist aber nicht weiter schlimm. Wenn man darum weiß, kann man ja darauf eingehen und die Pflege entsprechend anpassen.
Unter den Hauttypen ist die trockene Haut oft auch etwas sensibler, da die Hautbarriere geschwächt ist (wir erinnern uns: Feuchtigkeit und Fett sind vermindert = weniger Schutz).
Fette Haut ist normalerweise ausreichend geschützt und i. d. R. weniger sensibel. Ausnahmen können jedoch bei Akne bestehen, wo die Haut aufgrund der vielen Entzündungen heftiger auf Reize reagiert.
Bei sensibler Haut ist weniger mehr, d. h. es sollte auf aktivierende und reizende Inhaltsstoffe verzichtet werden, im besten Fall auch auf Allergene und Duftstoffe. Konventionelle Konservierungsmittel und Emulgatoren können auch problematisch sein; Naturkosmetik wird meist besser vertragen. Mit Pflanzenextrakten wäre ich grundsätzlich vorsichtig, wobei einige von ihnen, wie Ringelblume oder Gänseblümchen i. d. R. unproblematisch sind.
Manchmal ist es auch einfach die Menge an Inhaltsstoffen, die die empfindliche Haut überfordern. Hier helfen reduzierte Konzepte, die im Drogeriemarkt so leider oft nicht zu finden sind. An dieser Stelle macht Selberrühren wirklich Sinn.
Bei sensibler Haut sollte nur ganz vorsichtig gereinigt werden, evtl. mit einem milden Waschgel oder einer rückfettenden Reinigungsmilch. Peelings sind tabu. Als Gesichtswasser bietet sich ein reines, alkoholfreies Hydrolat an, z. B. Rose oder Neroli. Die könnt ihr meist von Herstellern kaufen, die auch ätherische Öle anbieten (s. dazu meine Empfehlungen). Bei der Pflege kann man sich grundsätzlich an den Bedürfnissen der Haut orientieren, wahrscheinlich hauptsächlich Feuchtigkeit mit einem mäßigen Gehalt an Fett (je nach Hauttyp).

Sehr trockene Haut

Die sehr trockene Haut ähnelt der trockenen Haut, nur ist die Barrierestörung noch ausgeprägter. D. h. es werden zu wenig schützende und feuchtigkeitsbindende Substanzen gebildet, die Hornschicht ist locker und lässt zu schnell zu viel Feuchtigkeit entweichen. Auf der anderen Seite dringen Keime und Fremdstoffe leichter in die Haut ein, weshalb sie besonders anfällig für Infekte und Ekzeme ist. Darüber hinaus ist das Hautgefühl einfach nur richtig unangenehm – wer schon mal sehr trockene Hautstellen hatte, weiß wovon ich rede.
Bei sehr trockener – oder auch ‚barrieregestörter‘ – Haut braucht es nicht nur viel Feuchtigkeit und Feuchthaltefaktoren, sondern vor allem reichlich Schutz (in Form von Fetten und Fettsubstanzen). Glücklicherweise stehen uns dafür als Selbstrührer*innen ein paar tolle moderne Hightech-Rohstoffe zur Verfügung, wie hydrierte Lecithine, Ceramide oder Phytosterolester. Letztere können wir beispielsweise in Form von Phytosteryl Macadamiate kaufen. Darin enthalten sind sog. unverseifbare Bestandteile aus Soja- und Macadamianussöl, welche die hauteigenen Schutzwirkstoffe imitieren sollen. Die Haut kann sie in ihre Barriere integrieren und sich so besser schützen. Das braucht aber etwas Zeit. Ähnlich funktioniert es übrigens auch mit Lanolin/Wollwachsfett, welches zwar nicht vegan, dafür aber bestens verträglich ist (sogar bei Babies).

Unreine Haut

Unreine Haut ergibt sich naturgemäß meist aus fetter (und mitunter feuchtigkeitsarmer) Haut. Aber was genau sind diese Unreinheiten eigentlich?
Auch Komedone oder „Mitesser“ genannt, entstehen sie durch eine übermäßige Talgproduktion einerseits und sich schlecht lösende Hornzellen andererseits. Ein Gemisch aus beidem kann sich in den Poren festsetzen und sie verstopfen. Dann entstehen entweder „offene Komedone“, die als kleine dunkle Punkte zu sehen sind, oder „geschlossene Komedone“, die weiß erscheinen und sich nicht so ohne weiteres lösen lassen. Komedone können eine Vorstufe von Akne darstellen, wenn die entsprechende Disposition gegeben ist. Bei mir z. B. führen sie schnell zu entzündlichen Pickeln, was nicht nur optisch unangenehmen ist. Durch die Verstopfung der Poren vermehren sich dort Bakterien, die entzündungsfördernde Stoffe produzieren.
Reinigung ist das A und O bei unreiner Haut. Dazu empfehlen sich fettfreie Waschgele mit milden Tensiden, welche die Haut von Schmutz und überschüssigem Talg befreien, ohne sie dabei zu stark zu entfetten. Eine heftige Reinigung hätte nämlich den gegenteiligen Effekt: die Haut würde noch mehr Fett produzieren, um den Mangel auszugleichen. Ein Teufelskreis.
Anschließend sollte ein desinfizierendes, klärendes und hautberuhigendes Gesichtswasser benutzt werden, um alle Reste zu entfernen und die Haut auf die anschließende Pflege vorzubereiten. Alkohol in einer Gesamtkonzentration von 15-20 % ist dabei unproblematisch und hat sich bewährt, ebenso wie bestimmte Pflanzenextrakte.
Aloe Vera verwende ich besonders gerne in all meinen Produkten, da sie feuchtigkeitsspendend und entzündungshemmend wirkt, insbesondere bei unreiner und von Akne geplagter Haut.
Die anschließende Feuchtigkeitspflege sollte fettarm sein; manchen reicht auch ein wässriges Gel. Ich bin mittlerweile bei einem Fettgehalt von ca. 6 % angekommen, was meiner Haut völlig auszureichen scheint. Zum Vergleich: die meisten Cremes enthalten 20-25 % Fett.

Reife Haut

Reife Haut ist i. d. R. auch trockene Haut im Sinne von fett- und feuchtigkeitsarm. Mit zunehmendem Alter verlangsamen die hauteigenen Prozesse, es werden weniger Sebum und feuchtigkeitsbindende Substanzen produziert und auch der Zusammenhalt der Hornzellen in der Epidermis (oberste Hautschicht) nimmt ab. Das Bindegewebe (Kollagen & Co.) wird schwächer, es entstehen Falten; die schwächere Durchblutung lässt sie blasser und dünner aussehen.
Bei der Pflege kann man sich an der trockenen Haut orientieren, mit reichlich feuchtigkeitsspendenden Inhaltsstoffen und ggf. noch entsprechenden Ölen, wie Argan-, Granatapfelsamen- und Wildrosenöl. Diese wirken zellerneuernd und regenerierend.
Faktoren wie Ernährung, Rauchen, Alkohol, Medikamente, Stress, Sport/Bewegung, Sonneneinstrahlung sowie die Gene sind an der Hautalterung beteiligt. Wir können sie mehr oder weniger beeinflussen.
Übrigens: die Haut beginnt ab 30 zu altern, aber von „reifer“ Haut würde ich hier noch nicht sprechen (eher so ab 50).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.